Chronik St. Maria, Hilfe der Christen

Zur Geschichte der Pfarrgemeinde Altdöbern ist in dem Buch „Junker, Christen und Kommunisten ...“ von Konrad Hartelt Folgendes nachzulesen:

„In Altdöbern und den umliegenden Dörfern gab es seit der Reformation bis zu Anfang dieses Jahrhunderts nur gelegentlich und vereinzelt Katholiken. Erst mit den polnischen Landarbeitern, die im Sommer auf den Gutshöfen arbeiten (‚Schnitter’) und z.T. hier ansässig werden, vor allem aber aufgrund der aufstrebenden Braunkohlen-, Glas- und Ziegelindustrie kommen um die Jahrhundertwende zahlreiche Katholiken, insbesondere aus Posen, in das Senftenberg-Großräschen-Altdöberner Gebiet.

Wegen der wachsenden Zahl dieser zugewanderten Katholiken wurde am 1. Juli 1910 – durch Abtrennung von der Pfarrei Senftenberg – die selbständige Kuratie Großräschen errichtet. Zu ihr gehörten 30 Ortschaften, darunter auch Altdöbern mit den umliegenden Dörfern. Unter dem ersten Seelsorger der Gemeinde Großräschen, Georg Lompa, war (in knapp zehn Monaten) die St. Antonius-Kirche erbaut worden; am 6. Juli 1913 wurde sie geweiht ... Sie war die Pfarrkirche auch für die in Altdöbern und Umgebung ansässig gewordenen Katholiken ...

Durch Flucht und Vertreibung gelangen ab Sommer 1945 in ständig wachsender Zahl katholische Christen, vor allem aus Schlesien und dem Sudetenland, nach Altdöbern sowie in die umliegenden Ortschaften. Auch sie gehen zunächst an den Sonntagen zum Gottesdienst nach Großräschen. Im August 1945 sind aber bereits soviel Katholiken zugezogen, dass sich der Pfarrer von Großräschen veranlasst sieht, am Sonntag, den 2. September, zum ersten Mal auch in Altdöbern einen Gottesdienst zu halten. Von jetzt an ist regelmäßig einmal im Monat an einem Sonntagnachmittag Hl. Messe in Altdöbern.
Die Situation ändert sich im Frühjahr 1946, als das Schloss Caritasheim wird und die Ordensschwestern im Schloss eine Kapelle einrichten. Der erste Gottesdienstraum ist der ‚Tafelsaal’ ... im Erdgeschoss. ‚Beim 1. Sonntagsgottesdienst [7. April 1946] waren schon 50 Kirchenbesucher aus dem Ort anwesend und der Schwesternkonvent. Der Kirchenchor aus Großräschen verschönerte den Gottesdienst. Seit dem Sonntag hatten die Gläubigen aus dem Ort auch wieder eine Kapelle.’ Von jetzt an ist nicht nur an jedem Sonn- und Feiertag, sondern gelegentlich auch unter der Woche ein Gottesdienst im Schloss.“

Von jetzt an entfaltete sich für viele Jahre ein eigenständiges reiches kirchliches Leben um und mit dem Caritasheim im Schloss Altdöbern. Am 15. April 1950 wird durch Kapitelsvikar Ferdinand Piontek die Seelsorge-Kuratie Altdöbern errichtet. Fast gleichzeitig wird der bisherige Kaplan von Großräschen, Heinrich Gonschior (1912 – 1991), zum Kuratus ernannt. Er wird der Gemeinde bis 1987 die Treue halten und danach in den wohlverdienten Ruhestand eintreten. Als 1974 der Pachtvertrag für das Caritasheim zwischen der Diözesancaritas und den staatlichen Behörden nicht verlängert wird, bedeutet dies eine Zäsur für die Pfarrgemeinde. Eine fast dreißig jährige Geschichte findet einen Abschluss, und die Pfarrgemeinde steht vor einem Neuanfang.

Rückblickend und Bezug nehmend auf 2 Chr 36,23 sagt Pfarrer H. Gonschior in seiner letzten Predigt im Schloss: „Wir haben hier keineswegs wie die Israeliten in Gefangenschaft gelebt, sondern für die Gemeinde ein schönes Heiligtum gehabt, unbeschreiblich schön in der Frühlingszeit inmitten der blühenden Rhododendrensträucher. Wie viele schöne Gottesdienste haben wir an den Hochfesten des Jahres feiern dürfen, die prächtigen Fronleichnamsprozessionen schon in den 50-er und 60-er Jahren! Achtundzwanzig mal hielten wir Erstkommunionfeiern, ein diamantenes Priesterjubiläum des gütigen Erzdechanten Frind, früher, vor seiner Ausweisung, Pfarrer an der Wallfahrtskirche in Politz, eine Primiz unseres Konrad Hartelt, die Bischöfe Dr. Piontek, Schaffran und Huhn waren zur Firmung hier, mehrere Schwestern haben hier ihr silbernes und goldenes Professjubiläum gefeiert, die Gottesdienste hier eingeführt hatte Herr Pfarrer Krischker aus Großräschen, die Stelle des 1. Hausgeistlichen nahm der aus Sagan ausgesiedelte Erzpriester Lompa ein, mit ihm wohnten der oben genannte Erzdechant Frind und Herr Rat Bragard im Hause und feierte mit der Gemeinde die reiche Liturgie. Zu den Patronatsfesten kamen Hunderte von Gläubigen zusammen, zu einem Dekanatstag schätzte man die Zahl auf etwa 800 Gläubige ... Das Lob Gottes erklang hier immer kräftig und in würdiger Form. Nun ziehen wir wie die Israeliten mit der Bundeslade in unser neues Heiligtum“.

Bereits 1955 war das Grundstück Waldstraße 3 in Altdöbern für die Pfarrgemeinde erworben worden, um darauf eine Kirche zu errichten. Doch ein Kirchbau wurde von den staatlichen Behörden nicht genehmigt, obwohl Baumaterialien längst vorhanden waren. Erst mit der Auflösung des Caritasheimes wurde eine Baugenehmigung erteilt für einen „Gemeinschaftsraum“ (eine Baugenehmigung für einen Kirchbau war weiterhin nicht zu erhalten). Die Bauarbeiten begannen am 28. Juni 1974. Die Richtkrone konnte am 3. Mai 1975 aufgestellt werden. Am Samstag, 3. April 1976, erfolgt die Einweihung durch Bischof Bernhard Huhn. Tags zuvor war der letzte Bewohner der Schlosses, Pfr. H. Gonschior, ausgezogen und hatte die neue Pfarrwohnung bezogen. Er und die Pfarrgemeinde hatte ein neues „Heiligtum“, das Schloss und das Caritasheim waren Geschichte. Von diesem Zeitpunkt an, hatte die Gemeinde ein neues Zentrum. Konrad Hartelt schreibt in seinem Buch: „Was der Kirchengemeinde Altdöbern ihr spezifische Gepräge gegeben hatte, das Caritasheim mit den Ordensschwestern, war verschwunden – übrig geblieben ist eine kleine Gemeinde, die auf eigenen Füßen steht“.

In den letzten Jahren ist es der Gemeinde gelungen, an die Tradition der Fronleichnamsfeste im Schlosspark anzuknüpfen, indem sie am Fronleichnamstag für die umliegenden Gemeinden auf dem Kirchgrundstück ein großes Fest organisiert. Es gibt einen kleinen Chor und eine Kolpingfamilie. Nach dem Weggang von Pfarrer Gonschior kam 1988 aus Cottbus Pfarrer Gerold Schneider und begleitete die Gemeinde seelsorglich bis 1997. Ab 1. Januar 1998 wurde dann Pfarrer Hans Geisler zum Seelsorger der Gemeinde ernannt. Er ist Pfarrer in Großräschen. Damit schließt sich ein Kreis, der vor einem halben Jahrhundert begonnen hat. Die Zuständigkeit für die Pfarrgemeinde Altdöbern liegt nun wieder beim Pfarrer von Großräschen, aber inzwischen ist die Gemeinde erwachsen geworden und eine Zelle des Glaubens inmitten der Diaspora. Regelmäßig feiert die Gemeinde weiterhin den Sonntagsgottesdienst in der Kirche, die unter DDR-Verhältnissen nur mit der großen Hilfsbereitschaft der Gläubigen und vielen anderen Helfern (auch Nichtgläubigen) gebaut werden konnte. Der Gottesdienstraum bietet 140 Personen Platz. Aus dem Gottesdienstraum im Schloss finden sich heute in der Kirche die Muttergottesfigur, das Taufbecken und ein Mosaikkreuz.

Nach der Einpfarrung der Pfarrkuratie zum 1.01.2010 in die Pfarrei St. Antonius Großräschen wird die Teilgemeinde Altdöbern einerseits weiterhin um ein lebendiges Gemeindeleben vor Ort bemüht sein und andererseits "als Teil der [Gesamt-]Gemeinde aktiv sein, und ihre guten Erfolge der ganzen Pfarrgemeinde anbieten, was zu einem gesunden Austausch innerhalb der Pfarrei führen kann" (Generalvikar H. Zomack).

Literatur: Konrad Hartelt, "Junker, Christen und Kommunisten...". Schloß Altdöbern als Caritasheim 1946-1974. Bonifatius Verlag Paderborn. Das Buch ist beziehbar über den Verfasser.